Herrin schenkt Kot


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On 23.12.2020
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Wie sie sich denn einer Seite im Konflikt anschlieen knnen.

Herrin schenkt Kot

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Herrin schenkt Kot

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Sie und ihre Freundin lachen ihn zuerst aus, doch das wird nicht alles sein.

Meine Gedanken lass selig Fern überfliegen die Au, Klar und fröhlich Blinkt auf den Gräsern der Tau. Eh' meines Traumes Wonne Mir im Erwachen zerrann, Schnell die Sonne Leuchtet schon golden hinan.

Vom Mondenschein ist Der Wald so blass. Im tiefen Teiche Bespiegeln lind Sich schwarze Sträuche, Es weint der Wind In Weidenbäumen Zeit ist zu träumen.

Ein zartes Schweigen Scheint sanft und rein Herabzusteigen Vom Dämmerschein Der Sternenrunde Das ist die Stunde.

Eine Fromme im Heiligenscheine, Eine Edle in ihrem Gemach, Was je nur von süsser Reine Und liebender Anmut sprach. Des Jagdhorns Goldklang im Holze Ertönt so lockend und weit, Vermählt mit dem zärtlichen Stolze Der Frauen aus alter Zeit.

Das Lächeln sieghafter Schöne Auf ihrem Antlitz erblüht, Das weiss wie Gefieder der Schwäne So frauenhaft kindlich erglüht. Und Rosen und Lilien in reinem Akkord holdselig vereint, Das ist es, was mir in deinem Karlovingischen Namen erscheint.

Bald weicht der Prüfung bitt'rer Schmerz: Der Zukunft lächle du, mein Herz. Wo, einzig Hoffen und Verlangen, Ich die Geliebte werd' umfangen.

Flieg zu ihr, mein Lied, mit leichten Schwingen und verkünde ihr, Welch ein stilles, frohes Leuchten In dem treuen Herzen mir.

Das mit heiligem Gefunkel Aufhellt unsrer Liebe Nacht, Misstraun, Furcht und banges Dunkel Scheucht des Tages lichte Pracht. Lang' von stummer Furcht bezwungen, Hörst du?

D'rum zu ihr den Flug genommen, Dass von keinem Leid beschwert Ich sie heisse hochwillkommen, Sie, die endlich wiederkehrt. Der Schenken Lärm, der Schmutz der nächt'gen Stadt, Welk sinkt von den Platanen Blatt um Blatt, Ein alter Omnibus auf schlechten Federn Quietscht schief und schwankend zwischen seinen Rädern Mit grün' und roten Augen, die sich dreh'n, Arbeiter, die zur Kneipe rauchend gehn, Dem Schutzmann qualmend ins Gesicht den Knaster, Die Dächer nass, Asphalt und glitschig Pflaster Und Gossen, die der Regen schwellen liess, Das ist mein Weg — mein Ziel das Paradies.

Nicht wahr? Vom Zwang boshafter Toren frei, Die uns gewiss um unser Glück beneiden, Lass oft uns stolz sein, doch stets mild dabei.

Wir wandeln heiter und bescheiden Den Pfad, den uns die Hoffnung lächelnd zeigt, Gleichviel, ob man uns sehn mag oder meiden. Einsam im Lieben, wie im Wald, der schweigt, Sei'n unsre Herzen wie zwei Nachtigallen, Die zärtlich singen, wann der Tag sich neigt.

Und was die Welt sagt, ob wir ihr gefallen, Ob sie uns zürnt, gleichviel! Da ihre Hand Ja schmeichelt oder Wunden schlägt uns allen. Uns eint das teuerste und stärkste Band, Froh lächelnd, dass zu nichts der Mut uns fehle, Denn uns bewehrt ein Schwert aus Diamant.

Und unbekümmert, welchen Weg uns wähle Das Los, lass gleichen Schrittes immerdar Uns Hand in Hand gehn, mit der Kinderseele. Der Brust, die nichts als Liebe fühlt, nicht wahr?

Ja, dann erglänzt ein heller Sommertag, Es fühlt die ew'ge Sonne meine Freude, Die dir in Atlas und in lichter Seide Die liebe Schönheit noch verschönen mag.

Blau leuchtend wird der Himmel sich erheben Gleich einem Zelt, an üpp'gen Falten reich, Hoch über unsern Stirnen, welche bleich Im bangen Glücke der Erwartung beben.

Sanft wird das Spiel des Abendwindes sein, Der schmeichelnd dann in unsern Schleiern fächelt, Der Liebesblick der Sterne aber lächelt Den Gatten zu mit freundlich mildem Schein.

Auf irren Pfaden ohne Ende Schritt ich dahin in banger Qual, Mich führten deine lieben Hände. Ich sah am Horizont, dass fahl Ein schwacher Schein der Hoffnung glimme, Dein Auge war der Morgenstrahl.

Ermut'gend durch die Nacht, die schlimme, Kam nur der eig'nen Schritte Klang: Geh weiter! Mein Herz, so düster und so bang, Es weinte still in bitt'rem Leide, Die Liebe, die den Sieg errang.

Hat uns geeint in sel'ger Freude! Es ist das selige Bangen, Es ist das müde Umfangen, Der Schauer im dämmernden Wald, Der Winde schmeichelnd Umschlingen, Wann vom grauen Gezweige das Singen Der kleinen Stimmen erschallt.

O dies zarte Zirpen und Girren, Dies junge Gezwitscher und Schwirren, Klingt hold wie Gräser im Wind, Als ob über blanken Kieseln Mit heimlichem Rauschen und Rieseln Das murmelnde Wasser verrinnt.

Die Seele, die lebt im Zagen Der leise schlummernden Klagen, Ist es die unsere? Die meine ja und die deine, Die so mit stillem Geweine Verhaucht im scheidenden Tag.

Ich fühle im Murmeln verborgen Die zarten, vergangenen Stimmen; Im Scheine der Klänge verschwimmen Blasse Liebe und künftiger Morgen.

Und mein Herz, meine Seele erzittern Wie im zweiten Gesichte zu leben, Und bang durch die Dämmerung schweben Die erstorbenen Klänge der Zithern.

O den einsamen Tod nun zu sehen — Wie schnell, bange Lieb', sind entschwunden Dieses Lebens schwankende Stunden! In dieser Schaukel vergehen!

Es weint mein armes Herz, Wie auf die Stadt es regnet, Ach, welch ein banger Schmerz Durchdringt und quält mein Herz? Wie rauscht so sanft der Regen Auf Strasse und auf Dach.

Mein müdes Herz zu hegen O, wie singt der Regen! Es weint ohn' allen Grund In meinem blut'gen Herzen. Ward durch Verrat es wund? Mein Leid ist ohne Grund.

Das ist das schwerste Leiden, Zu wissen nicht warum. Da Hass und Lieb' mich meiden — Mein Herz muss so viel leiden.

Ins ros'ge Abendgraun wie leises Klagen Tönt das Klavier, geküsst von schmaler Hand. Und wie mit schwachem, lindem Flügelschlagen Hält eine alte Weise mich gebannt, Die schmeichlerisch und zaghaft zu mir fand, Im Raum, des Duft von ihr noch schien zu sagen.

Wie sanft die Wiege auf und nieder geht, Die mild einlullt mein Herz, das seufzt und leidet! Was willst du, Lied, das spielend mich umweht?

Was meinst du, Klang, der schwindet und vergeht, Der nach dem Fenster hin verlöschend scheidet, Das nach dem kleinen Garten offen steht?

Der Bäume Schatten stirbt wie Rauch, wie blasser, Im nebeltrüben Wasser, Wann aus den Lüften tief versteckt im Laube Süss klagt die Turteltaube.

Wie sehr gleicht, blasser Wandrer, deinem Bilde Dies bleichende Gefilde. Wie weint in den Gezweigen schwermuttrunken Dein Hoffen, das versunken.

Im trauernden Lande, Verwischt, ohne Grenzen Sieht Schnee man erglänzen Gleich scheinendem Sande. Die Sterne versinken Im kupfernen Äther.

Den Mond sah ich blinken, Nun stirbt und vergeht er. Die wogenden Eichen Im Nebel, im grauen, Wie Wolken zu schauen In nächtlichen Reichen.

Ihr Wölfe, ihr Krähen, Ihr hungernden Horden! Was bringt euch der Norden Mit eisigem Wehen? In trauerndem Lande, Verwischt, ohne Grenzen, Sieht Schnee man erglänzen Gleich scheinendem Sande.

Mattrosig und grün vermischen Die Hügel sich und die Rampen, Im blassen Dämmern der Lampen, Die alle Dinge verwischen. In des Himmels goldenes Träumen Scheint mählich Purpur zu dringen, Auf den wipfellos-kleinen Bäumen Hört schwach einen Vogel man singen.

So leise fühl' ich den Schauer Des nahenden Herbstes verfliegen Und wie meine schlummernde Trauer Eintönig die Winde wiegen. Ohne Ende seh' Weit ich die Allee In dem blassen Schein.

Wie so heimlich, ach, Sollt' dies Blätterdach Unsrer Liebe sein. Herrn, die, wie es scheint, Vornehm sind und freund Den Royers-Collards, Hin zum Schlosse gehn, Gern würd' ich mich sehn In der greisen Schar.

Weissen Schlosses Wand Trifft mit letztem Brand Spätes Sonnenlicht. Felder fort und fort O, was nistet dort Unsre Liebe nicht! Kobolde gehen Durchs russ'ge Feld.

Ein Weinen schwellt Der Winde Wehen. Welch seltsam Schwirrn? Die Halme pfeifen, Gebüsche streifen Des Wandrers Stirn.

Weithin Spelunken, Kein wohnlich Haus. Ins Land hinaus Lohn rote Funken. Was spürst du da? Dumpf dröhnt die Brücke, Erstaunte Blicke: Die Stadt ist nah.

Im Qualm verloren Welch dumpfer Klang? Welch Rasseln drang Zu meinen Ohren? Das Land haucht fahl Glühheissen Odem, Ein schweiss'ger Brodem, Gekreisch von Stahl.

Fernher sucht des Windes Flügel Mit den Wetterfahnen Streit, Auf des Schöffen Schloss, wo weit Schiefer glänzt und rote Ziegel Auf der Wiesen hell Gebreit.

Eschen, wie im Märchen, ziehen Tausend Wellen rings durch das Weite Land, so zart und blass. Die Sahara der Prärien Prangt mit Klee und weissem Gras.

Die Waggons ziehn leise ihre Bahn durchs Land, das friedlich ruht. Schlaft ihr Kühe, schlummert gut In der Ebne, sanfte Stiere, Mit des Blicks gedämpfter Glut.

Hier hast du Zweige, Blätter, Früchte, Blumenspenden Und hier mein Herz, es schlägt ja einzig dir allein. Zerreiss' es nicht mit deinen feinen, weissen Händen: Dir Schönen möge lieb die schlichte Gabe sein.

Noch ganz bedeckt von klarem Tau will ich dich grüssen, Der meine Stirn erfrischt im kühlen Morgenwind.

Lass den Ermatteten ausruhn zu deinen Füssen, Dass seine Müdigkeit in sel'gem Traum zerrinnt. Und lass mein Haupt an deinem jungen Busen liegen, Mein Haupt, das noch von deinen letzten Küssen bebt; Mag nach dem freien Sturm mein Herz in Ruh sich wiegen Und schlummern, da auch dich ein leiser Schlaf umwebt.

Nicht das weite Land ohne Grenzen, Und nichts mehr, nichts, ausser dir! Tanzt mir den Reigen! Sie plagte ihren Freund so lieb, Dass sie ihn zur Verzweiflung trieb Und immer doch entzückend blieb.

Doch ist das Süss'ste, was sie bot, Der Kuss von ihrer Lippen Rot, Jetzt, da sie meinem Herzen tot. Noch denke sehnend ich zurück An ferne Zeit, an Wort und Blick, Und dieses ist mein höchstes Glück.

Sieh den Fluss die Stadt durchgleiten, Fremd und seltsam längs der breiten, Fünf Fuss hohen Wand von Stein. Wie dort durch die ruhevollen Gassen still die Fluten rollen, Dunkel, aber dennoch rein.

In dem breiten Bett wälzt blasser Als ein Leichnam sich das Wasser, Trostlos, weil nur Nebelgrau'n Spiegelt in den trägen Fluten, Leuchten auch des Frührots Gluten Auf der Hütten Gelb und Braun.

Ein stiller Ritter mit geschlossenem Visier: Das Unglück, stach ins Herz mit seiner Lanze mir. Dem alten Herz entsprang das Blut in trüben Fluten, Versiegt auf Blum und Blatt in klaren Sonnengluten.

Mein Auge deckte Nacht, laut schrie ich auf vor Schmerz, In wilden Schauern zuckend starb mein altes Herz. Der Ritter Unglück schwang hernieder sich vom Pferde, Mich fasste seine Hand mit finsterer Gebärde.

Mit eh'rnem Handschuh griff in meine Wunde er, Sein mitleidlos Gebot ertönte hart und schwer. Und es geschah, da rauh sein Finger mich berührte, Dass ein erneutes Herz ich stolz und rein verspürte.

Und dass von göttlicher Gnade heiss durchbebt Ein junges, tapfres Herz in tiefer Brust mir lebt. Und voller Ehrfurcht blieb ich, zweifelnd und benommen, Gleich einem Menschen, dem Gott selbst im Traum gekommen.

Der gute Ritter stieg von neuem auf sein Pferd Und nickte scheidend, wie er von mir sich gekehrt. Und schrie, noch immer hör die Stimme ich mit Beben: Hüt' dich, so milde komm ich einmal nur im Leben.

Vernehmt des Liedes güt'ge Trauer, Das weint, um euch ins Herz zu dringen, Wie sacht-verschwiegen tönt sein Singen, Auf Moos ein zarter Wasserschauer.

Der Sang war teuer eurem Herzen, Der jetzt verschleiert klingt und trübe, Der Witwe gleich, die ihre Liebe Beweint, erhaben in den Schmerzen.

Bald birgt sie in der Schleier Dunkel, Die in dem Hauch des Herbstwinds wehen, Bald lässt den Staunenden sie sehen Der Wahrheit sternengleich Gefunkel.

Das liebe Wort, das wir vernommen, Sagt uns, dass Güte unser Leben, Dass Hass und bitt'rer Neid entschweben Und enden, wann der Tod gekommen.

Sie singt vom Ruhm, der uns beschieden, Wenn wir wie Kinder wunschlos wohnen, Von goldner Hochzeit, von den Kronen Des Glücks und kampflos sel'gem Frieden.

Nehmt auf den Brautgesang, den schlichten, Der stillen Stimme flehend Singen, Nichts Süss'res mag ein Herz vollbringen, Als trübe Herzen aufzurichten.

Die Seele, ob ihr Gram erblühte, Ob dunkle Leiden sie umnachten, Wie klar und freundlich ist ihr Trachten! O hört des weisen Liedes Güte!

Mein Gott, durch deine Liebe ward ich wund, Und schmerzend zittert noch die tiefe Wunde, Mein Gott, durch deine Liebe ward ich wund.

Mein Gott, getroffen hat dein Schrecken mich, Noch bebt in mir das Brandmal deines Donners, Mein Gott, getroffen hat dein Schrecken mich.

Mein Gott, ich sah, dass alles eitel ist, Und in mir auferbaut ist deine Glorie, Mein Gott, ich sah, dass alles eitel ist.

Ertränk mein Herz im Strome deines Weins, Mein Leben schmilz zu Brot auf deinem Tische, Ertränk mein Herz im Strome deines Weins. Nimm du mein Blut an, das ich nicht vergoss, Nimm du mein Fleisch, das unwert ist des Leidens, Nimm du mein Blut an, das ich nicht vergoss.

Nimm meine Stirne, die in Scham erglüht, Zum Schemel hin für deine heil'gen Füsse, Nimm meine Stirne, die in Scham erglüht.

Nimm meine Hände, die dir nicht gedient Zu edlem Weihrauch und zu glüh'nden Kohlen, Nimm meine Hände, die dir nicht gedient.

Nimm du mein Herz, das nur vergeblich schlug, Zu zucken in dem Dorn der Leidensstätte, Nimm du mein Herz, das nur vergeblich schlug.

Nimm meine Füsse, sünd'ge Wanderer, Dass sie zum Rufe deiner Gnade eilen, Nimm meine Füsse, sünd'ge Wanderer. Nimm meiner Stimme lügenhaften Klang Zu heil'gem Mahnwort und zu tiefer Reue, Nimm meiner Stimme lügenhaften Klang.

Nimm meiner Augen trügerisches Licht, Dass es in Tränen des Gebets verlösche, Nimm meiner Augen trügerisches Licht.

O du des Opfers und der Gnade Gott, Wo ist der Quell des undankbaren Herzens O du des Opfers und der Gnade Gott. Du Gott des Schreckens, Gott der Heiligkeit, Weh dieser dunkle Abgrund meiner Sünde!

Du Gott des Schreckens, Gott der Heiligkeit. Du Gott des Friedens und des sel'gen Glücks, All meine Angst und all mein banges Irren, Du Gott des Friedens und des sel'gen Glücks.

Herr, du weisst alles das, ach alles das, Wie ganz verarmt ich bin in diesem Leben, Herr du weisst alles das, ach alles das. Doch was ich habe, Gott, will ich dir geben.

Als schlichter Waise, reich genug An meiner Augen stillem Scheine, Kam ich zur Stadt, fremd und alleine, Die Männer fanden mich nicht klug.

Mit zwanzig Jahren wurde ich Im Feuer der verliebten Sinne Der Weiber süsser Schönheit inne: Doch freilich schön fand keine mich.

Wenn auch in keines Königs Sold, Ich Heimatloser Ruhm erworben, Wär' gern ich doch im Krieg gestorben, Doch hat der Tod mich nicht gewollt.

Kam ich zu früh, kam ich zu spät In diese Welt voll herber Trauer? Was soll mir, ach, des Lebens Dauer? Denkt an mich Armen im Gebet!

Schwarz hält mich und schwer Ein Schlummer umfangen, Schlaf, Wunsch und Begehr, Schlaf, Hoffen und Bangen! Es trübt sich mein Blick, Mich flieht das Erinnern An Unglück und Glück, Und Nacht ist im Innern.

So bewegt auf und ab Ein dunkler Wille Eine Wiege am Grab: Seid stille! Seid stille! Es glänzt der Himmel über dem Dach So blau, so stille.

Denn sie gehen gen Luhith hinan und weinen, und auf dem Wege nach Horonaim zu erhebt sich ein Jammergeschrei. Dazu will ich über Dimon noch mehr kommen lassen, über die, so erhalten sind in Moab, einen Löwen, und über die übrigen im Lande.

Über die Grundfesten der Stadt Kir-Hareseth werden sie seufzen, ganz zerschlagen. Man keltert keinen Wein in den Keltern; ich habe dem Gesang ein Ende gemacht.

Darum setzest du lustige Pflanzen und legest ausländische Reben. Aber er wird sie schelten, so werden sie ferne wegfliehen, und wird sie verfolgen, wie der Spreu auf den Bergen vom Winde geschieht und wie einem Staubwirbel vom Ungewitter geschieht.

Das ist der Lohn unsrer Räuber und das Erbe derer, die uns das Unsre nehmen. Gehet hin, ihr schnellen Boten, zum Volk, das hochgewachsen und glatt ist, zum Volk, das schrecklicher ist denn sonst irgend eins, zum Volk, das gebeut und zertritt, welchem die Wasserströme sein Land einnehmen.

Da werden die Götzen in Ägypten vor ihm beben, und den Ägyptern wird das Herz feige werden in ihrem Leibe. Da werden sie dann fragen ihre Götzen und Pfaffen und Wahrsager und Zeichendeuter.

Was sagt ihr doch zu Pharao: Ich bin der Weisen Kind und komme von alten Königen her? Denn sie werden zum HERRN schreien vor den Drängern, so wird er ihnen senden einen Heiland und Meister, der sie errette.

Wie könnten denn wir entrinnen? Zieh herauf, Elam! Ich will allem Seufzen über sie ein Ende machen. Hüter ist die Nacht schier hin?

Wenn ihr schon fragt, so werdet ihr doch wieder kommen und wieder fragen. Deine Erschlagenen sind nicht mit dem Schwert erschlagen und nicht im Streit gestorben; 3 alle deine Hauptleute sind vor dem Bogen gewichen und gefangen; alle, die man in dir gefunden hat, sind gefangen und fern geflohen.

Doch sehet ihr nicht auf den, der solches tut, und schauet nicht auf den, der solches schafft von ferneher.

Daselbst wirst du sterben, daselbst werden deine köstlichen Wagen bleiben, du Schmach des Hauses deines Herrn! Aus dem Lande Chittim werden sie des gewahr werden.

Da ist kein Gurt mehr. Der HERR gebeut über Kanaan, zu vertilgen ihre Mächtigen, 12 und spricht: Du sollst nicht mehr fröhlich sein, du geschändete Jungfrau, du Tochter Sidon!

Nach Chittim mache dich auf und zieh fort; doch wirst du daselbst auch nicht Ruhe haben. Weh mir! Denn die Fenster der Höhe sind aufgetan, und die Grundfesten der Erde beben.

Moab aber wird unter ihm zertreten werden, wie Stroh zertreten wird und wie Kot. Denn wo dein Recht im Lande geht, so lernen die Bewohner des Erdbodens Gerechtigkeit.

Wenn sie aber sehen werden den Eifer um dein Volk, so werden sie zu Schanden werden; dazu wirst du sie mit Feuer, damit du deine Feinde verzehrst, verzehren.

Wachet auf und rühmet, die ihr liegt unter der Erde! Denn dein Tau ist ein Tau des grünen Feldes; aber das Land der Toten wirst du stürzen.

Darum wird sich auch ihrer nicht erbarmen, der sie gemacht hat; und der sie geschaffen hat, wird ihnen nicht gnädig sein.

Beide, Priester und Propheten, sind toll von starkem Getränk, sind in Wein ersoffen und taumeln von starkem Getränk; sie sind toll beim Weissagen und wanken beim Rechtsprechen.

Den Entwöhnten von der Milch, denen, die von Brüsten abgesetzt sind? Wer glaubt, der flieht nicht. Und wenn eine Flut dahergeht, wird sie euch zertreten; sobald sie dahergeht, wird sie euch wegnehmen.

Denn allein die Anfechtung lehrt aufs Wort merken. Werdet trunken, doch nicht vom Wein, taumelt, doch nicht von starkem Getränk!

Gleich als wenn des Töpfers Ton gedächte und ein Werk spräche von seinem Meister: Er hat mich nicht gemacht!

Sie führen ihr Gut auf der Füllen Rücken und ihre Schätze auf der Kamele Höcker zu dem Volk, das ihnen nicht nütze sein kann.

Darum sage ich von Ägypten also: Die Rahab wird still dazu sitzen. Aber ihr wollt nicht 16 und sprecht: "Nein, sondern auf Rossen wollen wir fliehen", darum werdet ihr flüchtig sein, "und auf Rennern wollen wir reiten", darum werden euch eure Verfolger übereilen.

Wohl allen, die sein harren! Du wirst nicht weinen: er wird dir gnädig sein, wenn du rufst; er wird dir antworten, sobald er's hört.

Und deine Lehrer werden sich nicht mehr verbergen müssen; sondern deine Augen werden deine Lehrer sehen, 21 und deine Ohren werden hören hinter dir her das Wort sagen also: dies ist der Weg; den gehet, sonst weder zur Rechten noch zur Linken!

Und dein Vieh wird zu der Zeit weiden in einer weiten Aue. Sein Zorn brennt und ist sehr schwer; seine Lippen sind voll Grimm und seine Zunge wie ein verzehrend Feuer, 28 und sein Odem wie eine Wasserflut, die bis an den Hals reicht: zu zerstreuen die Heiden, bis sie zunichte werden, und er wird die Völker mit einem Zaum in ihren Backen hin und her treiben.

Der Odem des HERRN wird ihn anzünden wie ein Schwefelstrom. So wird dann die Wüste zum Acker werden und der Acker wie ein Wald geachtet werden.

Meinst du, du wirst nicht verstört werden? Und du Räuber? Wenn du das Verstören vollendet hast, so wirst du auch verstört werden; wenn du des Raubens ein Ende gemacht hast, so wird man dich wieder berauben.

Er hat Zion voll Gericht und Gerechtigkeit gemacht. Er hält weder Treue noch Glauben; er verwirft die Städte und achtet der Leute nicht.

Wo sind die Vögte? Deine Augen werden Jerusalem sehen, eine sichere Wohnung, eine Hütte, die nicht weggeführt wird; ihre Nägel sollen nimmermehr ausgezogen und ihrer Seile sollen nimmermehr zerrissen werden.

Denn das Volk, das darin wohnt, wird Vergebung der Sünde haben. Die Erde höre zu und was darinnen ist, der Weltkreis samt seinem Gewächs! Er wird sie verbannen und zum Schlachten überantworten.

Denn ihr Land wird trunken werden von Blut und ihre Erde dick werden von Fett. Denn er ist's, der durch meinen Mund gebeut, und sein Geist ist's, der es zusammenbringt.

Denn die Herrlichkeit des Libanon ist ihr gegeben, der Schmuck Karmels und Sarons. Sie sehen die Herrlichkeit des HERRN, den Schmuck unseres Gottes.

Sehet, euer Gott, der kommt zur Rache; Gott, der da vergilt, kommt und wird euch helfen. Das Echo der Abschüsse fängt sich in den Höfen.

Die Vokabel ist aber wirklich gut. In der Haustür sah ich vorüberziehenden Soldatenhaufen nach.

Manche hinkten. Stumm, jeder für sich, so trotteten sie ohne Tritt dahin, stadtwärts. Die Gesichter stoppelig und eingefallen, auf dem Rücken schweres Gepäck.

Keiner antwortet. Einer murrt Unverständliches. All diese Gestalten sind so armselig, so gar keine Männer mehr.

Man kann sie nur bemitleiden. Man erhofft oder erwartet auch gar nichts mehr von ihnen. Schon jetzt wirken sie geschlagen und gefangen.

An uns, die wir am Bordstein stehen, schauen sie stumpf und blicklos vorbei. Offenbar sind wir, wir Volk oder Zivilisten oder Berliner oder was wir sind, ihnen gleichgültig, ja lästig.

Die sind zu stumpf und müde dazu. Ich mag gar nicht mehr hinsehen. An den Mauern schmierig zerlaufene Kalkbuchstaben, die anscheinend die Truppen zu irgendwelchen Sammelplätzen leiten sollen.

Am Ahornbaum gegenüber hängen, mit Heft-zwecken festgepinnt, zwei Anschläge. Die Zettel fallen überhaupt nicht auf. Das Handgekritzel wirkt so kläglich und unernst, so geflüstert.

Ja, die Technik hat uns verwöhnt. Von Hand geschrieben oder aus einem Mund dünn hinausgekreischt - was kann das schon sein?

Unsere Technik hat die Wirkung von Rede und Schrift selbst entwertet. Einzelgekreisch, handgemalte Zettel, 90 Thesen an einer Kirchentür in Wittenberg, mit dergleichen wurden früher Volksaufstände entfesselt.

Im Keller, 22 Uhr. Nach der Abendsuppe gönnte ich mir oben etwas Bettruhe, trabte dann abwärts. Schon war die Kellergemeinde vollzählig versammelt.

Eine nervöse Heiterkeit bricht aus. Allerlei Geschichten kursieren. Frau W. Ich überlege, wer doch. Wahrschein-lich die jüngere Portierstochter, die erst sechzehn ist und seit dem Fehltritt ihrer älteren Schwester stark bewacht wurde.

Und bestimmt, wenn ich mich auf Gesichter junger Mädchen verstehe, das achtzehnjährige S-tinchen, das drüben friedlich schlummert.

Zweifelhaft erscheint mir die Sache bei dem jungen Mädchen, das wie ein junger Mann aussieht. Aber das ist wohl ein Sonderfall.

Eine Frau ist heute neu im Hauskeller, bisher ging sie stets die sechs Ecken weit zum öffentlichen Bunker, der für sicher gilt. Über ihre linke Wange hinweg zieht sich ein eitriges Ekzem.

Immerhin dürften eitrige Ekzeme im Gesicht vor solchen Erlebnissen schützen. Auch was wert heute. Verblüffend ruhige Nacht, kaum Flak.

Ein neuer Kellerbürger kreuzte auf, der Mann der ausgebombten Frau aus Adlershof, die hier bei ihrer Mutter unterkroch. Der Mann kam in Uniform und klammheimlich, trug eine Stunde später Räuberzivil.

Keiner spricht davon, keiner schenkt ihm Beachtung. Abgebrühter Frontsoldat, wirkt noch ziemlich kräftig, ist uns herzlich willkommen.

Desertion erscheint plötzlich als selbst-verständlich, ja geradezu als erfreulich. Drei Millionen tun es nicht. Von Haus aus haben wir Frauen auch wenig Sinn dafür.

Wir sind vernünftig, praktisch, opportunis-tisch. Wir sind für lebende Männer. Gegen Mitternacht fiel ich vor Müdigkeit fast von meinem Kellerstuhl woher soll ich eine Liegestatt nehmen?

Hab sie glatt überschlafen. Beim Bäcker gab es Brötchen, die letzten. Es waren auch meine letzten Brotmarken. Neue Lebensmittelkarten sind nicht in Sicht.

Überhaupt kein Befehl mehr, keine Nachrichten, nichts. Es kümmert sich kein Schwein mehr um uns. Wir sind plötzlich Individuen, keine Volksgenossen mehr.

Alle alten Bindungen zwischen Freunden und Kollegen sind tot, soweit Entfernungen zwischen ihnen liegen, die mehr als drei Häuser weit sind. Der Höhlenhaufen, die Familie, wie in Urzeiten.

Der Horizont reicht hundert Schritte weit. Im Rangsdorfer Strandbad hab ich oft gebadet. Im Osten heute feurig roter Himmel, endlose Brände.

Von Kohlenbesorgung zurück, 13 Uhr. In Richtung Süden marschierte ich spürbar auf die Front zu. Der S-Bahn-Tunnel ist schon gesperrt.

Das erzählt jemand, der es selbst gesehen und die Bengels weggejagt hat, die sich mit Drehen belustigten. Vor den Läden Schlangen.

Stumpfe Gesichter im Flaklärm. Lastwagen rollten in Richtung Stadt. Verdreckte, erdbespritzte Gestalten mit leeren Mienen, in lumpigen Verbänden, trotteten dazwischen.

An der Barrikade hält Volkssturm Wacht in bunt zusammengestoppelten Uniformen. Die können höchstens fünfzehn sein, hängen so schmal und winzig in den schlotternden Uniformjacken.

Warum sträubt sich das Gefühl so sehr gegen diesen Kindermord? Sind die Kinder erst drei, vier Jahre älter, so erscheint uns ihr Erschossen- und Zerrissenwerden doch ganz natürlich.

Wo ist da die Grenze? Etwa beim Stimmbruch? Denn mich quälen in der Erinnerung wirklich am meisten die hohen, hellen Stimmen dieser Würmer.

Soldat und Mann waren bisher identisch. Und ein Mann ist ein Zeuger. Wie gewisse Fische oder Insekten, die ihren Nachwuchs auffressen.

Das darf nicht sein unter Menschen. Im Verlagshaus, nun von allen Angestellten verlassen, lagen die Keller noch voll Kohle.

Plötzlich kann sie nicht mehr nähren, und das Kleine brüllt. Nun sorgen sich alle, wie sie, da es ja keine Kuhmilch mehr gibt, das Kind durchbringen sollen.

Ich schlug der jungen Mutter vor, es mal mit Wildgemüse zu versuchen. Zusammen bückten wir uns im regenfeuch-ten Gras des Gartens und rissen, Taschentücher als Schutz in den Händen, die jungen Brennesseltriebe an der Mauer ab.

Dazu Löwenzahn, soweit vorhanden. Kräuterduft und Erdge-ruch, Primelsterne, rotblühender Dorn, Frühling. Aber die Flak bellt.

Trotzdem überholte ich auf dem Rückweg noch einen Trupp Soldaten. Sah zum ersten Mal in all diesen Tagen wieder Waffen: zwei Panzerfäuste, eine MP, Munitions-kästen.

Eine Siebzehnjährige, Granatsplitter, Bein ab, verblutet. Die Eltern haben das Mädchen in ihrem Hausgarten hinter Johannisbeersträuchern begraben. Als Sarg haben sie ihren Besenschrank genommen.

Auch die Freiheit haben wir nun, unsere Toten zu betten, wo es uns beliebt, wie in Urzeiten. Aber welch Theater vorher, Hausbesitzer, Portier, andere Mieter - alle wehrten sich dagegen.

Und nun ein Mensch, und keiner findet was dabei, ja, ich glaube sogar, den Eltern ist diese Nähe ein Trost. Und ich ertappe mich darüber, wie ich unwillkürlich schon unseren kleinen Gartenfleck zwischen den Häusern mit Gräbern besetze.

Um 16 Uhr in der Dachwohnung. Ich habe etwas Tolles erlebt. Zu meiner Verblüffung war Geräusch drin, was es seit Tagen nicht mehr gegeben hat.

Ich drehte die Nummer von Gisela - und bekam sie, die wohl eine Stunde weit von hier in Berlin W. Gieriger Wortwechsel, wir fanden kein Ende.

Giselas Firma hat sich in Wohlgefallen aufgelöst. Der Chef ist in Richtung Westen davongebraust, er hat nach zündenden Abschiedsworten das kleine Volk sich selbst überlassen.

Wir sind alle vergessen, horchen angestrengt ins Leere, sind allein. Sie hat ihren Vater nie gesehen. Jetzt drängt das Tiefste nach oben.

Zurück in die Kellerhöhle, Montag, 20 Uhr. Heute gegen Abend die ersten Artillerie-Einschläge an unserer Ecke. Fauchen, Zischen, Uiiij-Geheul.

Feuer blitzte auf. Erschrockene Rufe im Hof. Eine neue Parole geistert durch unseren Keller. Hohngelächter und Dispute. Die Likörfabrikantin ist schwer gekränkt und verfällt vor Ärger in ihr angestammtes Sächsisch.

Sie ist erst gestern aus ihrer ziemlich kleinen Likörfabrik hinter dem Moritzplatz, wo sie bisher mit ihrem Mann übernachtete, in die Wohnung und in unseren Keller zurückge-kehrt, um hier die Stellung zu halten.

Im übrigen geht die Anschaffe weiter. An der Ecke plötzlich Geschrei und aufgeregtes Gerenne: Bei Bolle wurde ein Lastwagen entladen, fässerweise trug man Butter ins Haus, ranzige Ware, die verteilt werden soll.

Ein Pfund pro Nase, und zwar, das ist das Beängstigende, gratis! Ist es das erste Panikzeichen? Oder Vernunft jenseits der Akten? Im Nu entstand ein Knäuel vor der Ladentür, man schlug sich mit Regenschirmen und Fäusten.

Ich drängelte ein paar Minuten mit, schnappte dabei was auf von Reserven, Verstärkungen und deutschen Panzern im Anmarsch von irgendwoher - eine Frau will vergangene Nacht über Detektorgerät etwas Derartiges gehört haben.

Heute wenigstens noch nicht. Stille Nacht. Fernes Geballer. Das Kellervolk ist ganz kaputt heute. Man hört keinen Laut mehr, kein Wort.

Nur Geschnarch und die fiependen Atemzüge der Kinder. Keine Nachricht. Wir sind abgeschnitten. Etwas Gas, dafür Wasserleitung trocken.

Vom Fenster aus sehe ich unten Menschenhaufen vor den Geschäften. Immer noch Geprügel wegen der ranzigen Gratisbutter.

Heute gibt es allerdings nur noch ein Viertelpfund pro Karte. Ich zähle vier Schupos, die das Gewühl eben jetzt bändigen.

Dazu Regen. Zur Zeit sitze ich im ersten Stock bei der Apothekerswitwe auf der Fensterbank. Soeben kam sie ganz aufgeregt hereinge- stürmt.

In die Fleischschlange bei Hefter ist ein Volltreffer gefallen. Drei Tote, zehn Verletzte - aber die Schlange steht schon wieder. Die Witwe macht vor, wie die Umstehenden mit ihren Ärmeln Blutspritzer von den Fleischkarten gewischt haben.

Was ist das schon, wenn man an einen Luftangriff denkt. Da stehen sie wie die Mauern, sie, die früher bereits bei drei Jagdflugzeugen über Mitteldeutschland bunker-wärts flitzten.

Höchstens stülpt sich so eine Frau einen Eimer oder einen Stahlhelm über den Kopf. Ganze Familien wechseln sich beim Anstehen ab; jeder hält es ein paar Stunden aus.

Soeben kam ein Sonnenblick. Ganz gedankenlos trabte ich zum Hofbalkon und schmorte auf meinem Korbstuhl eine Weile in der Wärme - bis eine Serie flotter Koffer über mir wegsauste.

Die Einschläge dröhnten ineinander. Ich hatte glattweg den Krieg vergessen. Überhaupt ist mein Kopf seltsam leer - hier bin ich beim Schreiben zusammengezuckt, nah schlug was ein, eine Scheibe zerklirrte.

Wieder plagt mich bei vollem Magen der Hunger. Ich habe das Bedürfnis, auf irgend etwas herumzukauen. Wovon mag wohl jetzt das milchlose Brustkind leben?

Eine alte Frau in der Schlange gestern empfahl, als die Rede auf das Kindersterben kam, für die Kleinsten mangels Milch zerkautes, gut eingespeicheltes Brot.

Selbst wenn die Mütter jetzt noch halbwegs zu essen haben und selber nähren können - über dem, was gnadenlos für uns alle heranrückt, wird ihnen der Quell versiegen.

Zum Glück ist das Kleinste in unserem Keller schon anderthalb Jahre alt. Gestern sah ich, wie jemand der Mutter ein paar Kekse für das Kind zusteckte.

Es war wohl das einzige Zustecken in diesen Tagen. Sonst verkramt und verbirgt ein jeder das Seine und denkt gar nicht ans Weggeben.

Wieder im Keller, 21 Uhr. Gegen Abend erschien eine fremde Frau und bat die Witwe und mich, mit ihr ins Lazarett zu gehen und dort auszuhelfen.

Am Horizont Rauch und Röte. Der Osten brennt. Ausgerechnet Braunau, der Ort, an dem Adolf das Licht der Welt erblickte.

Wir gerieten im Lazarett in eine vollgerauchte Bude. Der Fahrer haut ab, wobei er wütend vor sich hin schimpft.

Wachs-gelbe Gesichter unter Kopfverbänden, mit schnell wachsenden roten Placken darin. Wir treten noch in zwei, drei Stuben. Überall Atmosphäre von Männern, Mief, Feldlager, Nervosität.

Die Frau, die uns geholt hat, sagt schüchtern, es sei einer im PKW vorbeigefahren und habe gerufen, im Lazarett würden Frauen als Hilfe gebraucht.

Eigentümlich der wegwerfende, verächtliche Ton, mit dem hier weibliche Hilfe abgelehnt wird. So, als wollten wir uns an die Geschütze drängen oder sonstwie Soldat spielen.

In früheren Kriegen bestand die Rolle der Frau darin, den guten Engel zu spielen. Jetzt gibt es keine Heimatlazarette mehr in unserem Land.

Überall ist Front. Allerdings versucht dies Lazarett, eine Art Insel im Getöse zu bleiben. Aber die Luftminen sind unparteiisch, und im Bombenteppich gibt es keine Barmherzigkeitslöcher.

Das wissen auch die im Lazarett. Sonst hätten sie ihre Keller nicht so vollgepackt. Aus den Fenstern zu ebener Erde blickten zwischen den Gitterstäben überall Männergesichter durch Wieder im Hauskeller, um 21 Uhr.

Fiebrig erregtes Kellervolk heute, aufgekratzt, nervös. Die Iwans lachen. Es könnte schon stimmen. Sogleich geht ein heftiger Disput über diese Neuigkeit los.

Worauf auch der Keller wieder schweigt. Die Likörfabrikantin reitet übrigens auf einer neuen Parole herum: Ribbentrop und v. Papen seien soeben nach Washing-ton geflogen, um sich mit den Amerikanern persönlich auszu-sprechen.

Sie bekommt gar keine Antwort. Der Keller ist düster. Die Petroleumlampe blakt. Die Phosphorringe, die in Augenhöhe um die Balken herum gemalt sind, damit man im Dunkeln nicht dagegenrennt, geben einen grünen Schein.

Wir haben Zuwachs gekriegt. Das Buchhändler-paar hat seinen Kanarienvogel mit heruntergebracht. Mit einem Handtuch zugedeckt hängt der Käfig drüben am Balken.

Alles döst oder schläft. Ich rekapituliere: Gegen l Uhr nachts stieg ich aus dem Keller in den ersten Stock, haute mich wieder auf der Couch bei der Witwe hin.

Plötzlich heftiger Bombenfall, die Flak tobt. Ich warte, bin so schlaftrunken, mir ist alles gleich. Die Fenster-scheibe ist bereits entzwei, Wind mit Brandgeruch weht herein.

Unter dem Bettzeug hab ich ein idiotisches Gefühl von Sicherheit, als seien die Decken und Laken aus Eisen. Und dabei soll gerade Bettzeug so gefährlich sein.

Aber es kommt der Augenblick, wo tödliche Müdigkeit über die Angst siegt. So schlafen wohl auch Frontsoldaten im Dreck. Ich stand um 7 Uhr auf, der Tag begann mit bebenden Mauern.

Nun tobt die Schlacht auf uns zu. Kein Wasser mehr, kein Gas. Ich wartete eine halbwegs ruhige Minute ab und jagte die vier Treppen hoch in meine Dachwohnung.

Wie ein Tier in seine umstellte Höhle, so schlich ich mich in die Zimmer, stets zu hastigem Rückzug bereit. Griff mir etwas Bettzeug und Waschkram und floh damit abwärts, in den ersten Stock, zur Witwe.

Wir vertragen uns gut miteinander. Man lernt sich schnell kennen in solchen Tagen. Mit einem Eimer in jeder Hand wanderte ich durchs blühende Laubengelände zur Pumpe.

Die Sonne strahlte so warm. Lange Pumpenschlange, jeder rührte den Schwengel für sich; er bewegt sich schwerfällig, mit Gequietsche. Zurück die Viertel-stunde Weg mit überschwappenden Eimern.

Bei Bolle immer noch Geschubse wegen der Gratisbutter. Ich ging gleich nochmals Wasser holen. Auf dem Rückweg plötzlich Bombenfall.

Aus dem Rasenplatz vor dem Kino stieg eine Säule aus Rauch und Staub. Zwei Männer vor mir warfen sich platt in den Rinnstein. Frauen rannten in den nächstbesten Hausflur, treppab.

Ich hinterdrein, abwärts, in einen völlig fremden Keller, der nicht die Spur von Beleuchtung hat. Die vollen Eimer schleppte ich mit, sonst werden sie einem geklaut.

Drunten im Stockfinstern ein aufgescheuchter Haufen, unheimlich. War das ein Gebet? Ich denke zwei Jahre zurück, sehe mich im kümmerlichsten aller kümmerlichen Keller, einer wahren Gruft, unter einem einstöckigen Dorfhaus.

Ein Ort mit Ein-wohnern, unwichtig, doch auf dem Weg zum Ruhrgebiet gelegen. Dazwischen dann manchmal Motorengebrumm, einmal Bom-benfall, der die Kerzenflamme zittern machte.

Seither hab ich niemals wieder einen betenden Keller erlebt. Hier in Berlin, in diesen buntgemischten vierstöckigen Mietshäusern, wird sich wohl kaum eine Betergemeinde zu gemeinsamen Vaterunser finden.

Sicherlich werden auch hier Gebete geflüstert, öfter vielleicht, als es den Anschein hat. Doch wird die Ächzende kaum wissen, was sie da spricht, sie greift auf entleerte Formeln zurück, benutzt sie mechanisch und ohne Sinn.

Aber das sind Spekulationen. Womit ich immer noch nicht herausgefunden habe, ob das Geächz im finsteren Keller Gebet war.

Ich kann es nicht - noch nicht, noch wehre ich mich dagegen. Als ich vom Wasserholen zurück war, schickte mich die Witwe auf Kundschaft zur Fleischschlange.

Dies ärgert die Frauen im Augenblick mehr als der ganze Krieg. Das ist unsere Stärke. Immer haben wir Frauen das Nächstliegende im Kopf.

Immer sind wir froh, wenn wir vom Grübeln über Künftiges ins Gegenwärtige flüchten dürfen. Im Keller wiederum, gegen 18 Uhr.

Konnte oben nicht länger ruhig liegen, bekam Angst, da Volltreffer nahebei und dicke Kalkbrocken auf meine Wolldecke gefallen sind.

Der Inhaber war gleich tot. Ob durch Splitter, Luftdruck oder Herzschlag, war nicht sofort feststellbar. Henni sagt, er hat nicht geblutet.

Man kommt der drohenden Erniedrigung auch sprachlich entgegen. Ich schreib mit zittrigen Fingern. Die Linie der schlanken Cypressen, die den Gipfel des Palatin schwarz umsäumte, bewegte sein Herz.

Dahinter war nichts als der leere Raum; die Paläste der Cäsaren waren verschwunden, zerfallen, die Zeit hatte sie hinweggefegt.

Er beschwor sie im Geiste wieder herauf und meinte zu sehen, wie sie sich gleich goldenen Phantomen, vage und zitternd, in das Purpurlicht des herrlichen Morgens erhoben.

Dann kehrten seine Blicke wieder zu Sankt Peter zurück. Er beherrschte die ganze Stadt, war überall und ewig sichtbar.

Dann gingen seine Augen wieder hinüber zu dem andern Berge, dem Quirinal, wo der Palast des Königs stand, der ihm wie eine gewöhnliche, gelbgestrichene Kaserne vorkam.

Er erschien wie ein frevelhafter Modernisirungsversuch an dieser einzigen Stadt, die man lieber den Träumen von der Zukunft hätte überlassen sollen.

Dieses beinahe peinliche Gefühl einer unbequemen Gegenwart unterdrückte er; er verschmähte es, sich bei einem neuen Viertel aufzuhalten, das er ganz deutlich neben Sankt Peter, am Rande des Flusses erblickte.

Es war eine ganze farblose Stadt und zweifellos noch im Baue begriffen. Das neue Rom! Vor den Augen Pierres flammte abermals der Titel seines Buches auf und versenkte ihn in eine neue Träumerei.

Er durchlebte sein Buch, so wie er vorhin sein Leben durchlebt hatte. Er hatte es in der Begeisterung niedergeschrieben und die aufgehäuften Notizen aufs Geratewohl verwendet.

Und die Einteilung in drei Teile hatte sich sofort von selbst ergeben: die Vergangenheit, die Gegenwart, die Zukunft.

Bei den Juden bricht gleich nach dem Aufhören des Nomadenlebens, gleich nach der Eroberung Kanaans und dem Entstehen des Besitzes der Klassenkrieg los.

Es gibt nun Reiche und es gibt Arme; daraus entspringt die soziale Frage. Bis zu Jesus waren die Propheten nie etwas anderes als Empörer, die aus dem Elend des Volkes auftauchten, seine Leiden klagten und die Reichen verwünschten, denen sie zur Strafe für ihre Ungerechtigkeit und Härte alles Böse prophezeien.

Jesus selbst ist nur der letzte dieser Empörer; er erscheint als die verkörperte Forderung der Rechte der Armen. Er bringt den Unglücklichen ebenfalls den Abscheu vor dem Reichtum.

Die Apologeten und die ersten Kirchenväter stellen die Gemeinschaftlichkeit zum Gesetz auf. Damals war das Christentum nur die Religion der Armen und Einfältigen, ein Demokratismus und Sozialismus, der die römische Gesellschaft bekämpfte.

Und als diese endlich, vom Gelde angefault, zusammenbrach, da hatten diesen Zusammenbruch weniger die anstürmende Flut der Barbaren und die heimliche Termitenarbeit der Christen bewirkt, als das Agio, die wurmstichigen Banken, der finanzielle Krach.

Die Geldfrage liegt allem zu Grunde. Dafür ergab sich ein neuer Beweis, als das Christentum endlich, dank der Zusammenwirkung historischer, sozialer und menschlicher Verhältnisse, den Sieg davontrug und zur Staatsreligion erklärt wurde.

Für das Christentum war das ein dringendes politisches Lebensbedürfnis; nur um diesen Preis ward es der Katholizismus, die Universalreligion.

Von da ab richtet sich die mächtige Maschine als Eroberungs- und Regierungswaffe immer mehr in die Höhe: oben befinden sich die Mächtigen, die Reichen, deren Pflicht es ist, mit den Armen zu teilen, die es aber nicht thun; unten sind die Armen, die Arbeiter, die man Ergebung und Gehorsam lehrt und ihnen dafür das künftige Reich, das göttliche, ewige Entschädigung verspricht.

Da war zuerst Sankt Petrus. Ein unwissender, unruhiger Geist, gelangte er durch einen Geniestreich nach Rom und verwirklichte die antiken Orakel, die dem Kapital die Ewigkeit geweissagt hatten.

Dann kamen die ersten Päpste, einfache Leiter von Leichenbestattungsvereinen. Hierauf begann das langsame Aufsteigen des allmächtigen Papsttums.

Es befand sich im fortwährenden Eroberungskrieg mit der gesamten Welt und bestrebte sich unablässig, seinen Traum von der Weltherrschaft zu verwirklichen.

Läge denn nicht die absolute Wahrheit bei einem Papst, der Pontifex und König der Erde zugleich ist, der über die Seelen und über die Körper der Menschen herrscht, wie Gott selbst, dessen Stellvertreter er ist?

Dieser ungemessene, aber vollkommen logische Ehrgeiz erfüllte sich in Augustus, dem Kaiser und Pontifex, dem Herrn der Welt.

Ja, die immer wieder aus den Ruinen des antiken Rom erstehende, glorreiche Gestalt des Augustus hat die Päpste heimgesucht, das Blut des Augustus war es, das in ihren Adern pochte.

Das Volk gehörte Gott. Der Papst gab das Volk im Namen Gottes dem Kaiser und konnte es wieder zurücknehmen. Das war eine grenzenlose Macht, deren furchtbare Waffe der Bann bildete; das war die Oberherrschaft, die dem Papsttum den Weg zur wirklichen und definitiven Besitzergreifung des Reiches bahnte.

Man sprang zu seinem Wohle mit ihm um, wie mit einem Kinde. Aber die Kirche unterstützte thatsächlich die Zivilisation, erwies der Menschheit viele Dienste und spendete reichliche Almosen.

Der alte Traum von der christlichen Gemeinde kehrte immer wieder, zum mindesten in den Klöstern: ein Drittel der aufgehäuften Reichtümer wurde für den Kultus bestimmt, ein Drittel für die Priester, ein Drittel für die Armen.

Wurde dadurch nicht das Leben vereinfacht? Wurde den Gläubigen nicht durch den Verzicht auf irdische Wünsche, aber die Erwartung der unerhörten, himmlischen Freuden die Existenz ermöglicht?

Gebt uns also die gesamte Erde! Wir werden alle Güter hienieden in solche drei Teile teilen und dann werdet ihr sehen, was für ein goldenes Zeitalter herrschen wird, wie alle ergeben und gehorsam sein werden!

Die Reformation brach los, wie ein Protest der Vernunft und Gerechtigkeit, eine Mahnung an die verkannten Wahrheiten des Evangeliums. Um Rom vor dem vollständigen Verschwinden zu retten, bedurfte es der rauhen Verteidigung der Inquisition, der langsamen, hartnäckigen Arbeit des Konzils von Trient, das das Dogma stärkte und die weltliche Macht befestigte.

Damals trat das Papsttum in zwei Jahrhunderte des Friedens und in den Schatten; denn die festen, absoluten Monarchien, die Europa unter sich geteilt hatten, konnten seiner entbehren.

Sie zitterten nicht mehr vor dem unschädlich gewordenen Bannstrahl und anerkannten die Päpste nur noch als einen mit gewissen Riten betrauten Zeremonienmeister.

Niemals war Rom der Verwirklichung seines uralten Traumes von der Weltherrschaft ferner gewesen. Was war da auch anfangs im Vatikan eine Angst, ein Zorn, wie verzweifelt wehrte er sich gegen die Idee der Freiheit, gegen dieses neue Credo der befreiten Vernunft und der wieder Herrin ihrer selbst gewordenen Menschheit!

Es war eine scheinbare Lösung des langen Kampfes, den Kaiser und Papst um den Besitz des Volkes mit einander geführt hatten.

Der Kaiser verschwand, und das Volk, das ihn fortan absetzen konnte, wollte auch dem Papst entschlüpfen.

Es war eine unvorgesehene Lösung, und das ganze, uralte Gerüst des Katholizismus schien dabei in Trümmer gehen zu müssen.

Jesus war gekommen, um die römische Gesellschaft im Namen der Armen und Einfältigen zu zerstören.

Hat das katholische Rom nicht nach Jahrhunderten diese selbe Gesellschaft mit seiner Geld- und Hochmutspolitik neu aufgebaut?

Uebrigens griff er nirgends das Dogma an. Sein Buch war in der sentimentalen Form einer von Nächstenliebe durchglühten Dichtung nichts als der Ruf eines Apostels.

Er kannte es; sein Herz blutete davon, denn er hatte seine vergifteten Wunden berührt. Hatte das monströse Schauspiel, das die Christenheit der Welt bot, nicht dazu beigetragen, den Glauben im Volk zu töten?

Gleich nach diesem Bilde einer verfaulten, in Zerfall begriffenen Gesellschaft knüpfte Pierre wieder an die Geschichte der französischen Revolution an.

Aber leider scheint die Freiheit, wie die Erfahrung eines Jahrhunderts zeigt, den Enterbten nicht mehr Glück geschenkt zu haben. Auf dem politischen Gebiet greift die Enttäuschung um sich.

Auf jeden Fall steht fest: wenn auch der dritte Stand sich, seit er zur Herrschaft gelangt ist, befriedigt erklärt — der vierte Stand, die Arbeiter, leiden noch immer und fordern noch immer ihr Recht.

Man hat sie für frei erklärt, man hat ihnen die politische Gleichheit aufoctroyirt; aber das sind nur trügerische Geschenke, denn jetzt wie früher haben sie nur die Freiheit, Hungers zu sterben.

Daraus stammen alle sozialistischen Ansprüche; von nun an tritt das schreckliche Problem, dessen Lösung die gegenwärtige Gesellschaft zu vernichten droht, zwischen der Arbeit und dem Kapital auf.

Als die Sklaverei aus der antiken Welt verschwand, um der Löhnung Platz zu machen, war die Revolution ungeheuer.

Heute handelt es sich darum, die Löhnung durch etwas anderes, vielleicht durch Beteiligung des Arbeiters am Gewinn, zu ersetzen. Warum sollte das Christentum nicht eine neue Aktion versuchen?

Dieses verhängnisvolle, bevorstehende Emporkommen der Demokratie ist eine neue Phase der menschlichen Geschichte; die Gesellschaft von morgen ist in der Schöpfung begriffen.

Daraus ging die Legitimität des katholischen Sozialismus hervor. Hier nun erschien das neue Rom; hier schwang sich die Entwicklung zu einem Frühling unbegrenzter Hoffnung auf.

Im Gegenteil, sie brauchte nur zu der evangelischen Tradition zurückzukehren, um wieder die Kirche der Armen und Einfältigen zu werden, um die christliche Universalgemeinde wieder einzusetzen.

Ihr Wesen ist demokratisch. Wenn sie sich, als das Christentum zum Katholizismus ward, auf Seite der Reichen und Mächtigen stellte, so gehorchte sie, indem sie ihre erste Reinheit opferte, nur der Notwendigkeit der Selbstverteidigung.

Sollte diese Stunde nicht jetzt, in der nahenden Krisis schlagen? Von neuem streiten sich alle Mächte um den Besitz des Volkes.

Der Sozialismus ist die Zukunft, das neue Regierungswerkzeug. Und alles macht in Sozialismus: die auf ihren Thronen schwankenden Könige, die bürgerlichen Oberhäupter unruhiger Republiken, die ehrgeizigen Parteiführer, die von Macht träumen.

Allein das Uebel wächst, die Arbeiter werden von Not und Verzweiflung gequält, während über ihre Köpfe hinweg die Diskussionen fortgesetzt werden, die Systeme sich kreuzen, der gute Wille sich im Versuchen trügerischer Heilmittel erschöpft.

Und zugleich mit den anderen tritt der katholische Sozialismus ebenso feurig wie der revolutionäre Sozialismus auf den Plan und trachtet zu siegen.

Nun folgte eine Studie über die Anstrengungen des katholischen Sozialismus in der ganzen Welt. So zum Beispiel bei den Nationen, wo der Katholizismus dem Protestantismus gegenüberstand.

In Deutschland, dem klassischen Lande des Sozialismus, war Bischof Ketteler einer der ersten, der davon sprach, den Reichen Steuern aufzulegen; und später schuf er eine ausgebreitete Agitation, welche heute mit Hilfe der Vereinigungen und zahlreicher Zeitungen von dem ganzen Klerus geleitet wird.

In der Schweiz verteidigte Msgr. Vor allem aber triumphirte der katholische Sozialismus in Amerika, in den Vereinigten Staaten, in dieser rein demokratischen Umgebung, welche Bischöfe wie Msgr.

Ireland zwang, sich an die Spitze der Forderungen der Arbeiter zu stellen. Dort scheint eine ganz neue Kirche im Keimen begriffen zu sein; sie ist noch unklar, aber überquellend vor Kraft und von ungeheurer Hoffnung geschwellt, als stehe sie schon vor der Morgendämmerung des verjüngten Christentums.

Herrin schenkt Kot

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3 Kommentare

  1. Vudobei

    die sehr wertvolle Phrase

  2. Kahn

    Nach meiner Meinung sind Sie nicht recht. Geben Sie wir werden es besprechen. Schreiben Sie mir in PM, wir werden reden.

  3. Golar

    Nach meiner Meinung sind Sie nicht recht. Es ich kann beweisen. Schreiben Sie mir in PM.

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